Montag, 31. August 2009

Festumzug dürfte selbst Geschichte schreiben

Von THOMAS LANG

Hunderte erleben in Frankenhain im Zeitraffer 800 Jahre auf einen Streich / Viel Lob für großartiges Fest

1,4 Kilometer und anderthalb Stunden lang, 700 Mitwirkende, Hunderte Menschen entlang der Straßen: Mit dem Festumzug setzten die Frankenhainer gestern Nachmittag ihrer 800-Jahr-Feier die Krone auf. Zwei Jahre hatten die Einwohner auf das Fest hingearbeitet, das seit vorigem Sonntag wie am Schnürchen ablief und selbst Geschichte schreiben dürfte.

„Ein herrlicher Umzug, ein herrliches Fest“, schwärmten Isolde und Steffen Benndorf aus dem benachbarten Frauendorf. Sie hatte sich gestern schon gut eine Stunde vorher ein prächtiges Plätzchen neben der Tribüne vor dem einstigen Konsum gesichert. Kaum hatte die Kirchturmuhr 13-mal geschlagen, setzte sich der lange Zug – angeführt vom Geithainer Musikverein – in Bewegung. Und er übertraf alles in Frankenhain je Dagewesene. In 19 Bildern zeichneten die Akteure mit Witz und Liebe zum Detail 800 Jahre Dorfgeschichte nach – von der Steinzeit und der Erstbesiedlung durch die Jässnitzreiter über die Völkerschlacht und den Bau der Kirche und Pfarrschule. Hunderte Menschen am Straßenrand beklatschten die Teilnehmer. Fantasievoll die Erinnerung an viele alte Flößberger Gewerke und Geschäfte – von verschiedensten Handwerksberufen über den einst vorhandenen Dorfkonsum oder die beiden Gasthöfe bis zur Fränker Feierabendbrigade... „Alles Dinge, die wir hautnah miterlebt haben“, wurden auch beim Frankenhainer Werner Wagner Erinnerungen wach. Die Gräuel der beiden Weltkriege wurden ebenso wie vieles aus der DDR-Geschichte nicht ausgespart. Im Landwirtschafts- und Feuerwehrteil wurde das Einst anschaulich dem Heute gegenübergestellt. „Eine Geschichtsstunde pur“, kommentierte deshalb auch Gisela Strubl aus Borna das Gesehene.

Das auch derzeit eine Menge in dem kleinen, nunmehr Frohburger Ortsteil, los ist, zeigte sich, als sichtlich gut gelaunte Vereinsmitglieder den Umzug um Kostproben ihres Tuns bereicherten – von Tänzern über Frauenfußballerinnen, Kleintierzüchter bis zu den Modellbauern oder dem Jugendclub. „Schade, dass es schon vorbei ist. Das war ganz prächtig“, fand auch Bettina Lungwitz, als die „Überdosis“-Guggemusiker den Schlusspunkt setzten. Die hatten es sich trotz der Vorbereitung des 2. Internationalen Gugge-Festivals in Borna nicht nehmen lassen, hier aufzuspielen. „Ich bin beeindruckt, was die Frankenhainer auf die Beine stellten. Schön, dass der Wettergott das Engagement belohnte“, zollte auch Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch Respekt. Und wusste sich eins mit den vielen Festgästen.


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Foto (Jens Paul Taubert): Aus der Urgeschichte Frankenhains:
Nach der Rodung wurde das Gebiet erstmals besiedelt.
Daran erinnerten im Festumzug auch Jana (l.) und Tabea.

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Foto (Jens Paul Taubert): Die Steinzeit wurde lebendig –
auch durch Tina, Silke und André (vorn von links).

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Foto (Jens Paul Taubert): Auch düstere Kapitel in der
Ortsgeschichte wurden nicht ausgespart. Michaela Ledig und
Doreen Hammer gestalteten Flucht und Vertreibung mit.

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Foto (Jens Paul Taubert): Erinnerungen an die DDR-Zeit
mit Augenzwinkern: Erich Honecker (alias Manfred Wünsch)
umarmt Leonid I. Breshnew (alias Siegfried Lori).

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 31. August 2009

Weitere Bilder finden Sie im Fotoalbum.

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